Allgemeines

Bei der Diagnose einer Krebserkrankung werden Patienten häufig mit verwirrenden Abkürzungen konfrontiert (z.B. im Arztbrief oder Pathologiebericht), mit denen man als nicht-Mediziner wenig anfangen kann. Deswegen haben wir für Sie die wichtigsten Abkürzungen kurz zusammengefasst.

Bei einer Krebserkrankung werden verschiedene Systeme verwendet, um diese zu beschreiben. Die international einheitliche Klassifikation der Tumore ist wichtig für die Behandlung der Krebserkrankung sowie um den potentiellen weiteren Krankheitsverlauf beurteilen zu können.

Um zu beschreiben, um welche Art von Krebserkrankung es sich handelt, wird der Diagnoseschlüssel verwendet, wie zum Beispiel die Internationale Klassifikation von Krankheiten (International Classification of Diseases, ICD). Die international aktuell (2020) gültige Version ist ICD-10 und für Deutschland ICD-10-GM (German Modification).

Hier wird jede Erkrankung (auch andere Erkrankungen als Krebs) durch eine Kombination aus einem Buchstaben und einer Zahl charakterisiert. So steht zum Beispiel C56 für Eierstockkrebs, C50 für Brustkrebs, C34 für Lungenkrebs, I21 für akuter Myocardinfarkt (Herzinfarkt), J10 für Grippe etc. Weitere Zahlen dienen dazu die Erkrankung noch näher zu definieren wie zum Beispiel den Ort eines Tumors. Zum Beispiel steht C34.3 für einen Tumor im Unterlappen der Lunge.


TNM-System

Um zu definieren, wie weit sich ein Tumor bereits im Körper eines Patienten ausgebreitet hat, wird häufig das sogenannte TNM-System verwendet. Hierbei steht T für Tumor, N für Nodus (Lymphknoten) und M für Metastasen.

  • T beschreibt die Ausbreitung und Größe des Primärtumors. Die Zahlen 1 bis 4 (T1 bis T4) beschreiben hierbei die zunehmende Ausbreitung und Größe des Primärtumors. Beim Sonderfall T0 handelt es sich um das seltene CUP-Syndrom (Cancer of Unknown Primary). Dies bedeutet, dass eine oder mehrere Metastasen gefunden worden sind, es aber nicht klar ist woher diese stammen und wo der Primärtumor lokalisiert ist. Tis steht für Tumor in situ. Hier handelt es sich um Krebs-Frühformen, die noch nicht in das benachbarte Gewebe eingewachsen sind.

  • N beschreibt, ob in regionären Lymphknoten (Lymphknoten die direkt einem Organ zugeordnet werden) Metastasen vorhanden sind. N0 bedeutet, dass in regionären Lymphknoten keine Krebszellen nachweisbar waren. N1 bis N3 beschreiben den Befall von immer mehr regionären Lymphknoten, die auch weiter weg vom Tumor sind.

  • M beschreibt, ob Metastasen in anderen Organen vorhanden sind. M0 bedeutet, dass keine Fernmetastasen vorhanden sind und M1 bedeutet, dass Fernmetastasen nachgewiesen wurden.

Zum Beispiel würde T1N0M0 dafür stehen, dass es sich um einen kleinen Tumor handelt, der noch keine Metastasen in regionären Lymphknoten und anderen Organen gebildet hat. T4N3M1 würde dagegen bedeuten, dass der Patient einen recht großen Tumor hat, der sowohl in vielen Lymphknoten als auch in einem anderen Organ oder mehreren anderen Organen Metastasen gebildet hat.

Des weiteren kann zwischen der klinischen (clinical) cTNM und der postoperativen oder pathologischen pTNM Klassifikation unterschieden werden.

  • Bei der klinischen Klassifikation beruht die Einschätzung der Tumorausbreitung zum Beispiel auf körperlichen Untersuchungen und bildgebenden Verfahren.

  • Die postoperative oder pathololgische Klassifikation beruht auf der histopathologischen Untersuchung des Tumorgewebes nach einer Operation.

    Beide Klassifikationen ergänzen sich.

Zusätzliche voran- oder nachgestellte Groß- oder Kleinbuchstaben können weitere Informationen über die Krebserkrankung liefern. Beispiele sind V (Veneninvasion, gibt an ob in den Wänden der Blutgefäße Krebszellen gefunden wurden), L (Invasion in Lymphgefäße), Pn (Gewebe, das Nerven umgibt, von Tumorzellen befallen) oder a, b, c und d (eine genauere Aussage über die Größe und Ausbreitung des Primärtumors T ist möglich, dazwischen liegende Stadien können besser beschrieben werden, z.B. T2a, T2b etc.).


Weitere Kategorien des TNM-Systems

Das „Grading“ definiert den Grad der Veränderung der Krebszellen im Vergleich zu normalen gesunden Körperzellen. Auch kann eine Aussage getroffen werden aus welchem Gewebe die Tumorzellen stammen.

  • G1 bedeutet das Gewebe ist gut differenziert (weniger bösartig),

  • G2 bedeutet das Gewebe ist mäßig differenziert,

  • G3 bedeutet das Gewebe ist schlecht differenziert und

  • G4 bedeutet das Gewebe ist nicht differenziert (sehr bösartig).

Je weniger eine Krebszelle dem Gewebe dem sie entstammt ähnelt, d.h. je weniger sie differenziert ist, desto bösartiger ist sie. GX bedeutet, dass der Differenzierungsgrad nicht beurteilt werden kann.


Durch die R-Klassifikation werden nach einer Operation Informationen über einen Resttumor (Residualtumor) erhalten. Hierbei wird nach einer Operation geschaut, ob der Tumor vollständig entfernt werden konnte oder ob noch Tumorreste im Körper zurück geblieben sind.

  • R0 bedeutet, dass mit einem Mikroskop kein Resttumor mehr erkennbar ist.

  • R1 bedeutet, dass mit einem Mikroskop ein Resttumor erkennbar ist.

  • R2 bedeutet, dass ein Resttumor mit dem Auge erkennbar ist und

  • RX bedeutet, dass der Resttumor nicht beurteilbar ist.


Die Abkürzungen nochmals in der Übersicht:

 T0

CUP-Syndrom (Cancer of Unknown Primary), Primärtumor lässt sich nicht nachweisen

Tis

Tumor in situ, Krebs-Frühform

T1

Primärtumor ist kleiner als 2 cm

T2

Primärtumor ist 2-5 cm groß

T3

Primärtumor ist größer als 5 cm

T4

Tumor jeder Größe mit direkter Ausdehnung in der Nachbarschaft


N0

Kein Befall der benachbarten Lymphknoten

N1

Wenige Metastasen in benachbarten Lymphknoten

N2

Mehr Metastasen in benachbarten Lymphknoten

N3

Viele Metastasen in benachbarten Lymphknoten

Nx

Lymphknotenbefall lässt sich nicht beurteilen


M0

Kein Nachweis von Fernmetastasen

M1

Nachweis von Fernmetastasen

MX

Metastasenbildung kann nicht beurteilt werden


V

Invasion in Venen

L

Invasion in Lymphgefäße

Pn

Perineurale Invasion


G1

Gewebe ist gut differenziert

G2

Gewebe ist mäßig differenziert

G3

Gewebe ist schlecht differenziert

G4

Gewebe ist nicht differenziert

Gx

Differenzierungsgrad kann nicht beurteilt werden


R0

Differenzierungsgrad kann nicht beurteilt werden

R1

Mit einem Mikroskop ist ein Resttumor erkennbar

R2

Ein Resttumor ist mit dem Auge erkennbar

Rx

Resttumor ist nicht beurteilbar



Staging oder Stadieneinteilung

Um zu beschreiben wie weit fortgeschritten die Krebserkrankung ist, in welchem Stadium sie sich befindet, wird das „Staging“ verwendet. Für jede Tumorart ist das Staging, also die Einteilung in die verschiedenen Krankheitsstadien, unterschiedlich. Bei manchen Tumorarten sind schon kleine Tumore sehr gefährlich und bei machen sind die Heilungschancen selbst bei Metastasen noch recht gut. Häufig wird für das Staging ein System der Internationalen Vereinigung gegen Krebs (Union Internationale contre le Cancer, UICC) verwendet, welches auf der TNM-Klassifikation aufbaut. Bei den meisten Tumorarten gibt es die Stadien 0 bis IV. Für die verschiedenen Tumorarten wird einzeln festgelegt, welche T-, N- und M-Kategorien welchem Stadium der Krebserkrankung entsprechen.

Stadium 0  
Krebsfrühformen                
Stadium I und IITumore, die noch innerhalb der Organgrenzen wachsen
Stadium IIITumore, die sich lokal schon weit ausgebreitet haben und Lymphknotenmetastasen gebildet haben
Stadium IVTumore, die schon Fernmetastasen gebildet haben





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Feb 20, 2020 By Dr. Julia Reiser

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